Weihnachten und die Bergpredigt – Warum Solidarität, Gemeinwohl und Selbstverantwortung heute wichtiger sind denn je
Weihnachten ist mehr als ein kulturelles Ritual oder eine kurze Atempause im Jahreslauf. Es ist ein Moment der Stille – ein Innehalten in einer vielfach lauten Zeit des Konsums. Gerade diese Ruhe eröffnet die Möglichkeit, sich neu zu fragen, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält und welche Werte wir im Alltag vielleicht aus dem Blick verloren haben.
In einer Zeit wachsender sozialer Spannungen lohnt sich der Blick auf eine der kraftvollsten gesellschaftlichen Visionen der christlichen Tradition: den Geist der Bergpredigt. Ihre Botschaft ist weder weltfremd noch auf den religiösen Raum beschränkt. Sie ist eine zutiefst soziale und politische Ethik.
Ihre Grundidee lässt sich auch heute, jenseits religiöser Grenzen, in drei zentralen Werten zusammenfassen:
Solidarität heißt, niemanden zurückzulassen und den Schwächeren mitzudenken.
Gemeinwohl heißt, über den eigenen Vorteil hinauszusehen und Wohlstand als Verpflichtung zu begreifen.
Selbstverantwortung heißt, Veränderung nicht nur einzufordern, sondern bei sich selbst zu beginnen.
Zusammen bilden diese Prinzipien eine moderne Übersetzung dessen, was früher schlicht Menschlichkeit genannt wurde.
Diese Werte sind keineswegs abstrakte Ideale. Sie wurden in der Katholischen Soziallehre – maßgeblich geprägt durch ihren Nestor Oswald von Nell-Breuning – als tragfähiges Gesellschaftskonzept formuliert. Nell-Breuning brachte es auf den Punkt: Eine Gesellschaft ohne Gemeinwohlorientierung, Solidarität und Subsidiarität kann auf Dauer nicht bestehen.
Diese Gedanken wirkten weit über kirchliche Kreise hinaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sie Eingang in politische Grundsatzprogramme wie das Ahlener Programm der CDU und beeinflussten auch das Godesberger Programm der SPD. Sie prägten die frühen Debatten bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und standen für den Versuch, wirtschaftliche Freiheit und soziale Verantwortung miteinander zu verbinden.
Doch trotz dieser historischen Weichenstellungen wurden diese Leitideen nie konsequent umgesetzt. Auch das Grundgesetz erhielt – bei aller sozialen Rahmung – eine starke Orientierung an marktwirtschaftlichen Erfordernissen. Die soziale Marktwirtschaft konnte lange soziale Spannungen abfedern, doch sie geriet zunehmend unter Druck.
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich andere Kräfte durchgesetzt: Egoismus, Narzissmus und eine stark neoliberale Ausrichtung prägen heute viele gesellschaftliche Bereiche. Die Folgen sind unübersehbar: wachsende soziale Probleme, zunehmende Armut und Wohnungsnot, eine erstarkende Sündenbockmentalität und auf der anderen Seite eine stetig zunehmende Vermögenskonzentration.
Vermögen wächst – aber nicht für alle. Die Ungleichheit nimmt zu, und mit ihr das Gefühl von Ungerechtigkeit. Menschen erleben, dass Leistung und Lebensrealität immer weiter auseinanderdriften. Wo soziale Sicherheit schwindet, werden Schuldige gesucht, statt strukturelle Ursachen zu benennen.
Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für unsere Demokratie. Wo Ungerechtigkeit wächst, schwindet Vertrauen – in Politik, in Institutionen wie Regierung, Gerichte und Medien und letztlich in die Demokratie selbst. Dieser Vertrauensverlust betrifft längst nicht mehr nur die sozial Schwächsten, sondern zunehmend auch breite Teile der gesellschaftlichen Mitte.
Weihnachten erzählt dagegen eine ganz andere Geschichte. Nicht von Reichtum und Macht, sondern von Würde. Nicht von Besitz, sondern von Menschlichkeit. Die Weihnachtsbotschaft erinnert daran, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht durch Konsum entsteht, sondern durch Beziehung, Verantwortung und Mitgefühl.
Eine gerechte Gesellschaft entsteht nicht von allein. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – politisch, gesellschaftlich und persönlich. In Vereinen, Nachbarschaften, sozialen Einrichtungen, Initiativen oder Parteien. Überall dort, wo Solidarität praktisch gelebt wird.
Solidarität ist kein Hirngespinst. Sie ist eine Entscheidung. Vielleicht ist genau das die eigentliche Weihnachtsbotschaft unserer Zeit: innezuhalten, sich zu erinnern – und solidarisch zu handeln.
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